Alles über "Steine" jetzt
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"Emsländer Kammern" und so weiter und so weiter.
Die Megalithkultur
Von einer einheitlichen Megalith"kultur" kann man
sprechen, weil die Menschen zur gleichen Zeit und aus den gleichen
Gründen die großen Steine zu Bauten aufgetürmt haben. Der Übergang von der
Sammler- und Jägerphase der Menschheit zur Sesshaftigkeit war eine gewaltige
Umwälzung auch der Ideenwelt. Für die Sicherung der Fruchtbarkeit bedurfte man
der Unterstützung der Ahnen. Man baute ihnen gewaltige Ruhestätten, die auch
dazu dienten, die Macht der Sippe zu repräsentieren.
Gleichzeitig errichtete man weltweit Observatorien, die einerseits
praktischen Zwecken dienten, aber auch Kultstätten waren, an denen zur rechten
Zeit die richtigen Opfer gebracht wurden. Die Grabbeigaben in den großen
Gräbern der unmittelbaren Nachbarschaft deuten auf einen Totenkult mit der
Hoffnung auf ein Leben im Jenseits.
Stonehenge
Das bekannteste Bauwerk der Megalithkultur ist Stonehenge in Südengland.
Altersbestimmungen durch die Radiokarbondatierung haben ergeben, dass die Anlage
fast zweitausend Jahre lang genutzt wurde. Bereits vor 5000 Jahren wurde die
erste Rundanlage mit Wall und Graben und einem Durchmesser von etwa 100 Metern
errichtet. Schon in dieser frühen Zeit nahm man astronomische Bestimmungen vor.
Die Rundform blieb bis heute erhalten, in mehreren Bauphasen entstanden große
Veränderungen durch die Aufstellung weiterer Megalithen. Der wuchtige letzte
Bau, dessen Reste wir heute sehen, stammt aus der Bronzezeit. Immer wieder muss
man sich vergegenwärtigen, dass den Menschen jener Zeit weder Stahl- noch
Eisenwerkzeuge zur Verfügung standen.
Astronomie
Eine der frühen großen Kulturleistungen weltweit ist die Beobachtung von
Sonnen- und Mondlauf. Die Zeiten der Sommer- und Wintersonnenwenden wurden
präzise bestimmt, ebenso die Tag- und Nachtgleichen. Die Tatsache, dass noch
unsere höchsten Feste in der Nähe dieser Ereignisse liegen, deutet darauf hin,
dass es nicht nur um profane Hinweise für Bauern ging.
Auch den Bewegungen des Mondes wurde Wichtigkeit beigemessen. Die
Beobachtungen machten es erforderlich, die Orte der Auf- und Untergänge über
viele Jahre festzuhalten. Eine schwierige Aufgabe für Menschen, die noch keine
Schrift kannten. Steinritzungen werden als Symbole für Mondläufe gedeutet.
Natürlich hatte jeder Ort seine eigene Zeit. Atomuhren wurden erst in Zeiten
der wirtschaftlichen Globalisierung erforderlich.
Malta
Die als Tempel bezeichneten Megalithbauten auf Malta sind einzigartig in
ihrer Größe und ihrer Gestaltung, der Kleeblattform. Die älteste dieser
Tempelanlagen ist das Doppelheiligtum Gigantija. Sie trägt ihren Namen zu
Recht: Ihre einzelnen Kammern sind bis zu 10 m lang und fast genauso breit. Sie
waren mit einer Balkendecke überdacht, wie ein kleines Tempelmodell vermuten
lässt, das in einem der Tempel Maltas gefunden wurde.
Auch über das Alter der Bauten auf Malta herrschen unterschiedliche
Ansichten, bei der Gigantija geht man von einem Baubeginn vor 5.500 Jahren aus.
Hinweise auf das Alter geben Keramikreste.
Religionen
Die Funde zahlreicher weiblicher Skulpturen in den Tempeln auf Malta geben
Hinweise auf die Verehrung einer Muttergöttin. Auch in der Bretagne wurden
weibliche Formen in Stein geritzt. Schalen und Näpfchen dienten der Aufnahme
von Opfergaben.
Für die frühen Ackerbauern war die Fruchtbarkeit ihrer Sippe, ihrer Äcker
und Haustiere von größter Bedeutung. Um sie durch die Hilfe von Göttinnen
oder Ahnen zu erlangen, war keine Anstrengung zu groß. So baute man ihnen
Tempel und Grabstätten.
Sagen und Legenden, die sich an die Steine heften, deuten auf
Fruchtbarkeitsriten hin: tanzende junge Frauen, Hochzeitsgesellschaften, die zu
Steinen werden.
Dolmen, Menhire
Die bekanntesten Megalithbauten sind die Dolmen, keltisch: Tisch. Sie
bestehen aus mehreren aufgerichteten Felsblöcken, die von Decksteinen
überdacht sind. Sie sind oder waren begehbar, was Spekulationen über ihren
Sinn oder Zweck zulässt: Sind es nur Gräber oder auch Kultstätten zur
Verehrung der Ahnen?
Daneben findet man Menhire, keltisch: aufgerichteter Stein. Der größte Menhir
der Bretagne, der Feenstein, war 20 m hoch und im unteren Teil 4 m breit.
Im nordeuropäischen Raum finden wir überlange Dolmen, die von noch
längeren Steinreihen eingerahmt werden, den sogenannten Hünenbetten. Sie sind
in einigen Fällen mehr als 100 m lang. Die Ästhetik der Megalithen wird auf
den Fotos der Website ur-bild
sichtbar.
Ausbreitung
In England und in der Bretagne finden wir die imponierendsten Bauten der
Megalithkultur, aber auch an den Ufern der Ost- und Nordsee, des Atlantik und
des Mittelmeers; besonders in Palästina sind zahlreiche Megalithbauten
erhalten. Es gab Ballungszentren, vergleichbar unseren Heutigen.
Sogar im Süden Ägyptens westlich des Nassersees, wurde am Rand eines ausgetrockneten Sees
ein Steinkreis gefunden, der nach astronomischen Gesichtspunkten angeordnet
wurde. Eine Besonderheit des Ortes in der Nähe zum Wendekreis des Krebses
ist die, dass die Sonne zur Zeit der Sommersonnenwende sechs Wochen lang im
Zenit steht. Diese Zeitspanne wurde mit Hilfe von fünf Reihen von Menhiren
dokumentiert, vor 6000 Jahren.
Asien
Im Bereich der Hafenstadt Malakka (heute Melaka), an einer der befahrendsten
Wasserstraßen der Welt finden sich auf einer Fläche von vielen
Quadratkilometern Megalithbauten. Vielleicht fand die Verbreitung der
Megalithkultur auch über Seewege statt?
In Chinas Nordprovinz Shanxi wurde bei Taosi vor
kurzem eine Megalithanlage von drei großen Kreisen entdeckt, die ähnlich den
Anlagen in Europa der Beobachtung der jahreszeitlichen Sonnenstände diente. Die
Ausgräber sind sich sicher, dass die Anlage auch für kultische Zwecke erbaut
wurde.
In Japan und vor allem in Korea gibt es zahlreiche Fundstellen. Seit 2000
sind die Dolmenstätten von Gochang, Hwasun und Ganghwa in Südkorea als Weltkulturerbe anerkannt.
Bücher zum Thema Religionen der Vorzeit:
Die Megalith-Kulturen – Zeugnisse einer verschollenen Urreligion, Sibylle von
Reden, DuMontBuchverlag Köln, 1978.
Die Sprache der Göttin, Marija Gimbutas, Zweitausendeins, 1995
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