Hexengeschichte
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Aus der Geschichte der Hexen

Mit Scherenschnitten "Aus der Zeit vor unserer Zeit" von Karin Dickel-Jonas.

Gibt es einen Menschen, der nicht weiß, was eine Hexe ist ? Gibt es einen Menschen, der wirklich weiß, was eine Hexe ist ? Man kann lesen, was man von ihr sagt, oder was sie selber von sich sagt, welche Taten, welche Fähigkeiten eine Hexe ausmachen. Wer schätzt sie, wer verachtet sie, wann ist sie Täterin, wann Opfer ? Welche Götter hat sie verehrt, für welche Göttin wurde sie zur Märtyrerin ? Wie ist das Bild von ihr entstanden ?

Hexen und Heilige, Matronen und andere Dreifaltige

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Dreifaltige

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Freya

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Heilige

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Matronen

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Mutter Erde

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Seidrzauber

Unsere Vorstellung davon, was eine Hexe ist, fußt auf den Anschauungen der Menschen, die vor uns in Europa gelebt haben, der Germanen, der Kelten und deren Vorgänger, der ersten Bauern und der Sammler und Jäger.

Bevor die erste Frau als Hexe bezeichnet wurde, musste es erst einmal eine Idee davon geben, was sie von anderen Frauen unterschied, welche Gaben sie auszeichneten. Beide Seiten mussten gedacht - oder erdacht - werden, die Seite der Hilfe über das normal Menschliche hinaus und die Seite des Schreckens, weit über das normal Menschliche hinaus. Es gab die Schrecken der Nacht, bevor es die Nachtfahrende gab. Es gab Hagel und Blitzschlag, bevor der Wetterzauber gedacht wurde. Mensch oder Tier siechten dahin, bevor nach jemandem Ausschau gehalten wurde, der Anlass oder Ursache hätte sein können.

Die Menschen hatte Albträume und wussten nicht, woher die Bedrückung stammte. Aber irgendwer oder irgendwas drückte Ihnen  die Luft ab, sie spürten es deutlich, aber sie sahen niemanden. Waren das Geister, abgesandt von feindlichen Mächten ? Die Geister, die sie sich in Bäumen und Bächen, in Donner und Blitz, im Rauschen des Sturms und im Säuseln des Frühlingswindes dachten, hatten sie einen Herren, eine Herrin ? Lange bevor die Götter die Herrschaft übernahmen, waren die Geister da und taten Gutes und Böses, je nachdem ihnen befohlen wurde. Von wem ?

Elfengespräche

Mythen- und Geschichtsforscher gehen davon aus, dass die Träume die ursprünglichen Anlässe waren, die die Gedanken an Geister entstehen ließen. Sie waren so real wie die Geschichten, die die Menschen sich abends erzählten. Sie enthielten ein anderes Leben, sie erfüllten Wünsche oder erschreckten den Schläfer.

All das ist in den Hexenglauben eingegangen.

 

Die Herkunft des Wortes "Hexe" ist oft und kompetent erklärt worden, dem kann ich nichts Neues hinzufügen. Zu Zeiten der Germanen gab es andere Namen: seidkona, die Frau, die des seidrzaubers mächtig war. Oder spakona, die Wahrsagerin. Was konnten sie, was glaubte man von ihnen. Allzu viele Berichte gibt es nicht, aber es hatte mit allem zu tun, was Menschen damals fürchteten: Krankheit in Haus und Stall, Missernten, die ungewisse Zukunft, Unfruchtbarkeit bei Mensch und Tier. Diese Frauen befahlen den Geistern zum Guten und zum Schlechten, sie hatten Einfluss auf Wind und Wetter und sie sagten die Zukunft voraus. Manchmal mit Hilfe der Toten. Solange die Menschen Gutes von ihnen erfuhren, schätzte man sie, bewirtete und belohnte sie, gab ihnen den besten Platz an der Tafel. Mehr zu  seidr...

Bei den Trollen

Aber es gab auch die Kehrseite. Zahlreich sind die Namen, die man ihr vormals gab: Unholde, Trolle, Trude, Mare, Albin, Abendreiterin, Zaunreiterin. Das war das Reich der Dunkelheit. Nichts fürchten Menschen - auch heute noch - so wie die Dunkelheit. Ein Erbe aus ganz alten Zeiten, als der Mensch noch hilfloser Teil der Natur war. Nachts war der Feind unterwegs, das Raubtier, das die Kinder holte. Und später, als man sich die Raubtiere vom Leib halten, als man in einem Zelt aus Tierfellen, in einer Hütte aus Flechtwerk, in einem festen Haus schlafen konnte, da erfand man eine Personifizierung der Bedrohung, die man immer noch spürte, wenn es Nacht war.

 

Der Göttin Freya wurde nachgesagt, dass sie sich zur Erreichung ihrer Ziele des seidr bediene. Was ihr natürlich von den anderen Göttern verübelt wurde. Freya gehörte ja zu den Wanen, die von den neu in den Norden gekommenen Asen gerade noch geduldet wurden. Sie zauberte nicht nur, sondern sie war noch dazu mit ihrem Zwillingsbruder verheiratet. Dafür hatten die Asen noch weniger Verständnis.
Aber - Freya und ihr Zwillingsbruder und Ehemann Freyr sind sie nicht eigentlich nur eine Person ? Schon ihre Eltern waren Zwillinge und die Aufgaben dieser Götter waren ganz die gleichen. Sie waren zuständig für Regen und Sonnenschein, für Fruchtbarkeit und Frieden, ihre großen Jahresfeste wurden mit Spiel und Tanz gefeiert. Dinge, mit denen die später erschienenen Asengötter nichts zu tun hatten, sie waren eher zuständig für Mord und Totschlag, Verrat und Hinterlist

Und das sind die Attribute von F.: Schön anzusehen und mächtig, edel und hehr, glänzend und schimmernd. F. ist Freya ? Oh, nein, Freyr ist gemeint. Damit nur ja niemand mehr auf die Idee kommt, eigentlich sei eine Göttin gemeint, hat man ihn auch noch mit einem besonders großen Phallus ausgestattet. Im Kölner Römisch Germanischen Museum ist ein Vetter des Freyr, Priapus, zu sehen, der auf seinem riesigen Vorderteil einen üppigen Früchtekorb balanciert, was aber eher lächerlich aussieht.
Die Götter waren männlich geworden, Göttinnen waren nurmehr Gattinnen, im Fall Freya nicht mal eine besonders anständige. Ihr wird nachgesagt, dass sie für ein Goldgeschmeide mit jedem ins Bett ging, Gott oder Zwerg. Und dass sie  seidr ausübte. Mehr dazu ...

Idol 5.000 Jahre alt

Aber zuvor war Mutter Erde die Allgewaltige. Auch darüber ist viel spekuliert und geschrieben worden. Schriftliche Zeugnisse gibt es nicht, nur Hinweise auf ihre Verehrung: Felszeichnungen, Statuen und Statuetten. Wir kennen im Norden einige kleine Darstellungen in Bronze, nackt, nur mit einem Paar Ringe um den Hals, mit den Händen unter der Brust.



Und in späteren Zeit sind Hymnen niedergeschrieben worden, die dann zwar Göttinnen gelten, die nur noch Gleiche unter Gleichen waren, aber so auch der Großen Mutter gegolten haben könnten:

Herrin, die Herzensfreude schenkt, bist du,
guten Samen legst du in den Mutterleib,
lässt die Frucht im Mutterleib groß werden,
schenkst der Mutter die Liebe zum Kind.

Diese Hymne war Inanna gewidmet, der Göttin aus Mesopotamien, die die Menschen Ackerbau und Viehzucht gelehrt hatte und deren Symbole Wasser, Baum und Schlange waren, Zeichen für Ewigkeit und Wiedergeburt.

Anders der dunklere Aspekt des Weiblichen: Hekate. Sie war die Göttin der Zauberkunst, die Herrin der Kreuzwege, ihre Herkunft war bei den Griechen unklar, natürlich, denn sie stammt aus ganz alten Zeiten. Man sah sie als Erdgöttin, verband sie mit dem Reich der Toten. Andererseits sorgte sie aber auch für die Fruchtbarkeit des Bodens.

Und Artemis, sie hatte die Rolle der Jungfrau. Auch sie aber Spenderin von Fruchtbarkeit und Beschützerin der Neugeborenen. 

Aus der Einen, Einzigen, Allmächtigen hatte man einzelne Aspekte herausgelöst. Im Christentum - welche Ironie - sind sie wieder zusammengefügt worden: die Jungfrau, die Gottesmutter wurde und deren Gebet endet "bitte für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes". Vielleicht ist es der katholischen Kirche so wichtig, dass Maria Jungfrau war, damit sie die Dreiheit in Einheit wieder verkörpern kann. Als man sie inthronisierte, war vieles aus alter Zeit noch lebendig und musste integriert werden. Jetzt ist Maria zuständig für gutes Wetter und gute Ernten, für Heilung und Kindersegen. Das Zaubern allerdings passt nicht zu ihrer lichten Gestalt, es versinkt ins Dunkle und wird den Abtrünnigen nachgesagt.

Matronen

Im Rheinland kann man auch heute noch Abbildungen von Dreifaltigen finden. Jahrhunderte lang - bis in die Zeit des ganz frühen Christentums - wurden die "Matronen" von ihren Anhängern um Hilfe gebeten, wurden ihnen von dankbaren Soldaten und Beamten, Bauern und Bäuerinnen Gedenksteine und Altäre errichtet.
In feierlicher Haltung sehen wir drei Frauen auf einer erhöhten Bank sitzen, zwei von ihnen tragen große Hauben auf dem Kopf, in ihrer Mitte sitzt eine junge Frau mit offen herabfallendem Haar. Fruchtkörbe, Blüten und Ährenbündel sind ihre Attribute, sie spendeten Segen und Fruchtbarkeit, sie beschützten Haus und Hof, Familie und Gemeinde. Auffallend ist, dass keine von ihnen einen eigenen Namen hat, die Namen, die ihnen gemeinsam gegeben wurden, sollen von Personen- oder Stammesnamen abgeleitet sein.

Matronen im Tempel bei Nettersheim/Eifel

Manchmal findet man Blumen und Kerzen bei den Matronen...
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Drei seltsame Heilige, wenigstens was ihre Namen betrifft, finden sich in der südlichen Eifel, die schon frühzeitig von Trier aus christianisiert wurde: die Hl. Fides, Hl. Spes und Hl. Caritas. Wörtlich also die Heiligen Glaube, Hoffnung und Liebe. Hier wirkt noch die göttliche Verehrung von Wertbegriffen bei den Römern nach, die Fides, Virtus, Pietas und anderen Altäre und Kultbilder widmeten. Die drei Heiligen sollen zusammen mit ihrer Mutter Sophia im 2. Jahrhundert in Rom enthauptet worden sein, weil sie sich standhaft weigerten, ihren Glauben zu verleugnen. Vielleicht machte sie das den Frauen so lieb, die auch ihren Glauben an die Dreifaltige nicht verleugnen wollten.

 

Zur Zeit der Kreuzzüge bildete sich eine andere Dreiergruppe von hilfreichen Frauen: die drei weiblichen Heiligen aus der Gruppe der Vierzehn Nothelfer. In Bayern werden sie gemeinsam angerufen mit dem Vers:

Barbara mit dem Turm
Margarete mit dem Wurm
Katharina mit dem Radel
das sind die drei heiligen Madel!

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Dreifaltige

Eine ganz geheimnisvolle Dreiergruppe taucht zur gleichen Zeit auf - die Drei Bethen: Ambeth, Wilbeth und Borbeth. Der Vorgeschichtsforscher Hans Christoph Schöll hat sich mit ihnen beschäftigt und war der Meinung, dass sich in ihnen uralte Muttergottheitsvorstellungen erhalten haben. Nirgendwo gibt es einen Hinweis, wann sie heilig gesprochen wurden, aber überall gibt es ihre Gräber.
Märchen, Sagen und Legenden gibt es viele über Drei Jungfrauen, Schöll hat sie auf die Nornen, die Matronen und auf die Bethen zurückgeführt, wobei er der Meinung ist, dass die Drei Bethen die älteste Drei-Frauen-Gruppe bilden und weit in die europäische Vorzeit zurückreichen. Das wird auch durch die Deutung ihrer Namen begründet. Ambeth ist der Aspekt der Mutter Erde, Wilbeth die Mondmutter, Borbeth die Sonnenmutter. So sind auch ihre Attribute die Kette, der Mond und die Sonne.

Kann es denn überhaupt sein, dass sich die Verehrung der Muttergottheit über Jahrtausende erhalten hat? Zumindest in ihrer dreifaltigen Gestalt, wie die Beispiele zeigen. Und ihre Aufgaben waren über die Jahrtausende immer die gleichen, wie auch die Sorgen der Menschen immer die gleichen waren. Besonders in schwierigen Zeiten wendete man sich an die Mütter. Hatten sie nicht immer schon geholfen? Was hatte die Großmutter, die eigene Mutter darüber erzählt? Sollte das nicht auch weiter gelten?

Eine Dreifaltige war besser zu verstecken als eine einzige Göttin. Wer von der Verehrung der Dreifaltigkeit sprach, wer zu den weiblichen Heiligen betete, der war unverdächtig, beging keine Ketzerei. Was die Menschen wirklich meinten, wer weiß es?

 

Walpurgisnacht

 Zur Verehrung der alten Göttin hatte Gesang und Tanz gehört, fröhliche Feste im Grünen. So wollte man auch weiter feiern. Und man tat es auch, opferte an Brunnen, Quellen und Bäumen, was in der Synode von Szaboles in Ungarn noch 1092 als heidnischer Aberglaube verpönt wurde. Lange noch kämpfte die christliche Religion um ihre absolute Vorherrschaft. Zur Zeit der Kreuzzüge und auch später noch folgte eine Ketzerjagd der anderen. Und am Ende waren auch die Anhängerinnen der friedlichen alten Religion zu Feinden geworden, mit Hilfe des Teufels wurden sie zu Hexen gemacht.

 

 

 

 

Literatur

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